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Chronik

 

1872-1945    

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1945-1988    

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1872-1945

Die Geschichte des Bw Dresden-Altstadt begann 1872 mit der Errichtung eines Lokanheizgebäudes für 20 Loks und eines Kohleschuppens im Zuge der zweiten Erweiterung des Böhmischen Bahnhofs nach der Übernahme der Albertbahn. Dieser Lokschuppen an der Nossener Straße bildete als späteres Heizhaus 1 den Grundstein für das Bw Dresden-Altstadt.

1876/77 wurde der Kohleschuppen verlängert und das Heizhaus 2 mit 19 Ständen errichtet. Die Heizhäuser dienten nur zum Abstellen von Betriebsloks, Reparaturen erfolgten in der Betriebswerkstatt am Böhmischen Bahnhof.

1884 erfolgte ein massiver dreistöckiger Anbau an das Heizhaus 1 mit Hochbehälter für Wasser und Sozialräumen.

1891 wurde auf dem Heizhausgelände ein Beamtenwohnhaus errichtet.

Mit der Umgestaltung der Dresdner Bahnanlagen, bei der u.a. der Dresdner Hauptbahnhof errichtet wurde, erfolgte 1893/94 der Neubau von zwei weiteren Heizhäusern, Haus 3 und 4. Zwischen beiden platzierte man das neue Verwaltungsgebäude. Ebenfalls 1894 wurde zwischen Heizhaus 2 und 3 ein Magazingebäude errichtet, in dem sich ab 1945 die Lokleitung befand. Beiderseits des Kohleschuppens entstanden je drei offene Kohlestapel, die sich entlang der Heizhausanlage zwischen den Gleisen 58 und 59 hinzogen. Bekohlt wurde mit ortsfesten Ruge-Kränen, wovon einer noch heute betriebsfähig ist. Der entstandene Kohlelagerplatz hatte eine Kapazität von 3000 t. Später wurden alle Lokschuppen erweitert und ausgebaut. Ebenso wurden schrittweise die vier Drehscheiben an die notwendigen Lokomotivlängen angepasst. So ist am ersten Schuppen - dem heutigen Haus 1 - eine noch betriebsfähige 23 m - Drehscheibe vorhanden. An den nicht mehr existierenden Häusern 2 und 3 sind eine 20 m - bzw. 16 m - Drehscheibe vorhanden gewesen. Immer noch in Betrieb ist die 18 m - Drehscheibe am erhaltenen Haus 4.

Die Lokomotivreparatur erfolgte bis in die frühe Reichsbahnzeit im RAW Dresden-Friedrichstadt. Zur Neustrukturierung des Werkstättenwesens wurde 1926 im Anschluss an das Heizhaus 4 eine Lokbetriebswerkstatt mit 7 Reparaturständen und offenem Schiebebühnenfeld errichtet. Damit war das Flurstück der Gemarkung Plauen restlos bebaut und das Bw Dresden-Altstadt hatte seine größte Ausdehnung erreicht. Fortan fanden im Bw fast alle renommierten sächsischen Schnellzuglokomotiven (18.0 und 19.0) und später auch preußischen Schnellzug- und Personenzugbaureihen (17 und 39) eine Heimat. Zu Zeiten der Deutschen Reichsbahn gesellten sich die damals modernen Baureihen 01, 03 und 61 dazu. Durchschnittlich waren zu Glanzzeiten bis zu 120 Dampflokomotiven in Dresden-Altstadt stationiert.

Auf den von der sächsischen Metropole ausgehenden Strecken beförderten die Altstädter Schnellzuglokomotiven alle bekannten nationalen und auch internationalen Fernschnellzüge. Besonders erwähnenswert ist hier der Henschel-Wegmann-Zug, der in 102 min mit Lok 61 001 den Berliner Anhalter Bahnhof erreichte. Auch das Dresdner Umland wurde im Nahverkehr mit Altstädter Personenzugloks der Baureihen 38.2-3 (sä. XII H2), 38.10-40 (pr. P8), 93, 86 sowie 98.0 (sä. I TV) bedient.

Die Rückentwicklung des Bw begann bereits im Jahr 1940. Nach Inbetriebnahme der Lokwerkstatt im neuen Bw Dresden-Friedrichstadt wurde das Heizhaus 3 aufgegeben, Drehscheibe und Schuppengleise wurden bis auf zwei neu angelegte Laderampengleise entfernt und das Schuppengebäude wurde als Lagerraum für kriegswichtiges Material genutzt.

Ab 1938 kamen durch die politischen Entwicklungen auch regelmäßig tschechische Lokomotiven mit Zügen aus Tetschen-Bodenbach und Aussig als Wendelokomtiven nach Dresden-Altstadt.

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1988 bis heute

Nach dem Ende des planmäßigen Dampfbetriebs im Knoten Dresden wurde das Bw Dresden-Altstadt ab 1989 schrittweise durch die Eisenbahn aufgegeben.
Glücklicherweise etablierten traditionsbewusste Eisenbahner im Gegenzug mehr und mehr das Verkehrsmuseum Dresden mit seinen Fahrzeugen im Bw. Letztendlich gründete 1999 der "harte Kern" der BSW-Gruppe "Dresdner Lokomotiven" den Verein "IG Bw Dresden-Altstadt e.V.", der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Tradition des Bw Dresden-Altstadt zu bewahren. Die Arbeit der BSW-Freizeitgruppe wird seit 2000 unter dem gleichen Namen fortgeführt. 62 015 wurde 1997 abgestellt, im Jahr 2000 mussten 01 137 und 03 001 ebenfalls mit Fristablauf abgestellt werden. 2008 mussten wir leider mit 89 6009 unsere letzte betriebsfähige Lok außer Betrieb nehmen.

Im Jahr 2001 wurde im Zuge der Neuordnung der Traditionspflege bei der Deutschen Bahn unter Führung des DB Museums Nürnberg entschieden, im Bereich des Lokschuppens 1 einen Museumsstandort einzurichten. Die Eröffnung erfolgte am 18. Mai 2002. Auch das Verkehrsmuseum Dresden arbeitete intensiv am Aufbau eines Schaudepots im Bereich des Lokschuppens 4 und des Werkstattgebäudes.
Seit der Jahrtausendwende liefen seitens der DB Regio AG ernsthafte Planungen für die Errichtung eines neuen Fahrzeugwerks auf dem Gelände des Bw im mittleren Bereich zwischen den Lokschuppen 1 und 4, die die Struktur des Bw tiefgreifend veränderten, aber dem Standort auch wieder eine betriebliche Zukunft geben konnten. Die Museumsbereiche blieben aber bestehen, sodass neu und alt nebeneinander fortbestehen.

Im Jahr 2005 begannen die Bauarbeiten mit dem Abriss von Lokleitung, Sandschuppen, ehem. Kantine und EVDR-Baracke. Gleichzeitig wurde der Standortbetrieb am Haus 1 durch das DB Museum aus Kostengründen aufgegeben und durch den Verein übernommen.
Unter der Bezeichnung "Eisenbahnmuseum Bw Dresden-Altstadt e.V." startete man 2006 in eine hoffnungsvolle Zukunft.

Ab Oktober 2006 entstand das neue Fahrzeugwerk im Bereich der ehemaligen Heizhäuser 2 und 3. Dabei wurde auch der Wasserkran und das Fundament des Rugekranes sowie der Kohlebansen im Eisenbahnmuseum Bw Dresden-Altstadt neu errichtet.

Seitdem hat sich in Dresden-Altstadt viel getan, durch den Verein erfolgten in den letzten Jahren umfangreiche Arbeiten zur Sanierung und Sicherung des Geländes und der baulichen Anlagen. So wurde das Lokschuppendach wurde neu gedeckt, ein Ölabscheider installiert, das Sozialgebäude erhielt neue, denkmalschutzgerechte Fenster, eine Außenbeleuchtung am Lokschuppen gebaut, die Wege instand gesetzt und vieles mehr. Der Trägerverein "IG Bw Dresden-Altstadt e.V" lässt es mit den jährlichen großen Dampfloktreffen jedes Frühjahr mächtig in Altstadt dampfen. Auch sonst kommen oft Dampfloks anderer Vereine und Veranstalter zum Restaurieren und Wenden nach Dresden-Altstadt, da hier eine vollkommen intakte Infrastruktur zur Verfügung steht.

Nach der Schließung des Bw Dresden-Friedrichstadt kam die betriebsfähige Museumlok E 77 10 nach Dresden-Altstadt. Nach einer vom Verein finanzierten Hauptuntersuchung steht die "Stangen-Elli" seit April 2014 wieder mit neuen Fristen zur Verfügung. Im großen Lokschuppen Haus 1 werden zur Zeit die Lokomotiven 01 137, 03 001, 62 015, 19 017 und 89 6009 gepflegt und können hier besichtigt werden. Außerdem kümmert sich der Verein um die Pflege und Wartung vieler Lokomotiven des Verkehrsmuseums Dresden, die in Dresden-Altstadt untergestellt sind.

Auch künftig wird sich der Verein "IG Bw Dresden-Altstadt e.V." sehr bemühen, das Gelände weiter zu pflegen, instand zu halten und weitere Reparatur- und Sanierungsmassnahmen auszuführen. So ist beispielsweise die Sanierung der Außenfassade des Sozialgebäudes geplant.

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1945-1988

Am 17. April 1945 fiel der größte Teil des Bw in Schutt und Asche. Nur das heute noch erhaltene Heizhaus 4 sowie das Verwaltungs- und Magazingebäude konnten wieder aufgebaut werden.

Das heutige Heizhaus 1 wurde 1953 nach dem Wiederaufbau von Lokwerkstatt und Heizhaus 4 neu errichtet. Es wurde sogar für das Unterstellen elektrischer Loks konzipiert. Jedoch wurden in Dresden-Altstadt zu keiner Zeit Ellok beheimatet - außer E 77 10, aber das ist eine andere Geschichte.

Mit dem Wiederaufbau der restlichen Bw-Anlagen und dem neuen Aufschwung im Eisenbahnverkehr gelangten nun auch Neubau-Dampflokomotiven nach Dresden. So beheimatete man in Dresden-Altstadt Loks der Baureihen 23.10 und 65.10. Die 23.10 liefen auch im schweren internationalen Verkehr durch das Elbtal in Richtung CSSR, die 65 war jahrelang die Lok für die S-Bahn Dresden nach Meißen und Schöna. Beide wurden durch die Dieselloks der BR V 180 abgelöst. Durch die Kriegswirren fand aber auch so mancher Länderbahnexot hier eine Bleibe bis zu seiner Ausmusterung.

Zwei weitere besondere Lokomotiven waren ab 1952 die umgebauten französischen 231-E-18 und 241-A-4. Als Einzelgänger mit Kohlenstaubfeuerung schieden sie 1958 als 07 1001 u. 08 1001 wieder aus. Auch die neue Baureihe 22 (Reko aus BR 39) wurde in Dresden-Altstadt beheimatet. Nachdem in den Kriegs- und Nachkriegsjahren der Schnellzugdienst fast ausschließlich mit Länderbahn-Schnellzugloks der BR 18.0 und 19.0 abgewickelt wurde, gelangten ab 1958 mit der BR 03 und ab 1967 der BR 01.0 wieder Einheitsschnellzugloks nach Dresden-Altstadt.
Mit der 18 010 wurde 1968 die letzte sächsische Schnellzuglok außer Dienst gestellt, die BR 19 quittierte bereits 1966 den Dienst. Die 18 010 stand noch bis 1974 als Torso im Bw, wurde aber dann letztlich verschrottet, da als erhaltenswerte Vertreterin der sächsischen Schnellzugloks die 19 017 ausgewählt wurde. Die 19 017 erhielt bei ihrer museumgerechten Aufarbeitung Anfang der siebziger Jahre in Meiningen den Tender der 18 010. Durch die Elektrifizierung des sächsischen Dreiecks und den fortschreitenden Traktionswandel verloren auch die Loks der BR 22 ihre Leistungen und wurden bis 1968 aus Dresden-Altstadt abgezogen.

Mit der Bildung des Groß-Bw Dresden im Jahre 1967 mit Hauptsitz in Dresden-Friedrichstadt begann der Stern des Bw Dresden-Altstadt kontinuierlich zu sinken. Unter der Bezeichnung "Betriebsteil Zwickauer Straße" (BtZ) wurde der restliche Dampflokbetrieb des Bw Dresden hier konzentriert.

Am 24. September 1977 beförderten zum letzten Mal Lokomotiven der BR 01 planmäßige Züge, am 25. September 1977 endete der planmäßige Dampflokeinsatz des Bw Dresden mit der Abstellung der letzten Einheits-Schnellzuglokomotiven der BR 01. Zeitgleich endete der Einsatz der Berliner 01.5 nach Dresden. Der Betriebsteil diente nun noch der Versorgung von Wendelokomotiven und der Beheimatung von Heiz- und Rangierlokomotiven. Bis 1980 gelangten noch regelmäßig Schnellzugdampfloks der BR 03 des Bw Görlitz zum Wenden nach Dresden, auch das Bw Kamenz kam mit Loks der BR 52. Inzwischen wurden mit der 01 204 und 03 001 auch erste Traditionslokomotiven in Dresden beheimatet. 01 204 musste leider wieder abgegeben werden und ging zum Bw Saalfeld, dafür wurde 01 137 Dresdner Traditionslok. 62 015 und 89 6009 ergänzten den Bestand. Die Heizlok 50 3688 wurden schließlich auch noch in einen austellungswürdigen Zustand versetzt.

 

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