Lokgeburtstag 50 Jahre V 240 001

 

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Vor 50 Jahren stellte der VEB Lokomotivbau „Karl-Marx“ Babelsberg (LOB) eine besonders auffällig lackierte Diesellok auf der Leipziger Frühjahrsmesse vom 28. Februar bis 9. März aus. Ihre äußere Form ähnelte sehr der bereits bekannten V 180 C’C‘. Die wahre Neuigkeit befand sich in ihrem Inneren, nämlich die installierte Antriebsleistung von 2400 PS im Gegensatz zu den 1800 PS der ersten (B’B‘) bzw. 2000 PS der zweiten (C’C‘) Serienausführung der V 180. Des Weiteren waren ihre Endführerstände aus Glasfaser-verstärktem Kunststoff (GfK) hergestellt anstelle aus Stahl wie bei den Serienlok der Baureihe V 180. Mit diesem Baumuster wollten Babelsberg und die Deutsche Reichsbahn (DR) in eine neue Dimension der Zugförderungsleistung vordringen. Die Lok blieb im Eigentum des Herstellers LOB und erhielt die Werkbezeichnung V 240 001 in Anlehnung an das Bezeichnungsschema der DR. Bis 1968 erprobte LOB sein Baumuster in enger Zusammenarbeit mit der Versuchs- und Entwicklungsstelle der Maschinenwirtschaft Halle/Saale (VES-M), die organisatorisch zur DR gehörte. Jedoch haben in diesem Zeitraum kurzfristige politische Maßgaben die zielstrebige Weiterentwicklung bis zur Serienreife vereitelt. Ein Serienbau sollte nicht mehr erfolgen.

So blieb „Unser Hugo“, wie die Museumslok seit etwa 2001 liebevoll genannt wird, der alleinige und abschließende Höhepunkt der Entwicklung von Großdiesellokomotiven in der DDR.

Nach dem Ende der ersten intensiven Erprobungsphase verblieb die Lok im Bw Neustrelitz. Da die DR kein Interesse an dem technischen Sonderling zeigte, beantragte LOB im September 1968 die Verschrottung. Diesem Antrag gaben die zuständigen Dienststellen jedoch nicht statt und die DR erwarb die Lok 1971. Unter Verwendung von Teilen der verunfallten V 180 081 und V 180 343 glich das Bw Neustrelitz die V 240 001 technisch und optisch an die Serienausführung der V 180.2-4 an. Die Abnahme erfolgte mit der Computernummer 118 202-1. Seit 1. September 1971 war die Maschine bis 31. Mai 1986 eine reguläre Betriebslok im Bw Neustrelitz. Die DR beheimatete sie anschließend zum Bw Kamenz um, wo sie bis 4. Juli 1991 verblieb. Am Tag darauf endete mit der z-Stellung ihr Lebensabschnitt als Betriebslok. Einige Zeit diente sie noch dem Bw Reichenbach (Vogtland) als Lehrlingsobjekt zur Ausbildung.

Aller Wahrscheinlichkeit nach wäre sie nach einiger Standzeit den Weg allen alten Eisens gegangen. Einige Personen, die in der BSW Gruppe „Dresdner Lokomotiven“ organisiert waren, wiesen deutlich darauf hin, dass die Lok technisch sehr bedeutsam und erhaltenswert sei – auch wenn man es ihr äußerlich und innerlich natürlich schon längst nicht mehr ansah. Das Verkehrsmuseum Dresden (VMD) übernahm die Lok 1994 und ließ sie ins Werk Chemnitz überführen. Bis 1995 erfolgte ihre Restaurierung im optisch weitest gehenden Ursprungszustand (Lackierung). Intensives Tauziehen bewirkte, dass das VMD die Lok in Dresden stationierte und nicht in Chemnitz-Hilbersdorf. In Dresden war sie anlässlich des 5. Dresdner Dampflokfestes im Frühjahr 1996 erstmals zu bestaunen.

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Ortsansässige Lokschlosser und Museumslokbetreuer nutzten ihre guten Kontakte in das Bw Friedrichstadt, um ihr Anliegen einer betriebsfähigen Aufarbeitung voranzubringen. Dort stießen sie auf offene Ohren und im November 2000 überführten sie die Lok nach Friedrichstadt. Lehrlinge arbeiteten die schadhaften Dieselmotoren im Rahmen ihrer Ausbildungsaufgaben auf. Dies und großer Einsatz von Freizeitleistungen vieler Interessierter und Aktiver mündete in der Anmeldung zur betriebsfähigen Wiederinbetriebnahme beim Eisenbahnbundesamt (EBA). 

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Am 25. April 2001 nahm das EBA im Beisein der BSW Gruppe und des Pflegekollektivs die V 240 001 als bedingt betriebsfähige Lok bahnamtlich ab (technisch voll betriebsfähig, jedoch keine INDUSI bzw. Nachfolgeeinrichtungen). Seitdem erfolgten zahlreiche Überführungen und auswärtige Präsentationen, von denen der Juni 2002 in Nürnberg sicherlich ein Höhepunkt war. Ein herber Rückschlag war die Flut im August 2002. Die Lok stand – wie alle anderen anwesenden Exponate im Bw Altstadt ebenfalls – bis auf die Höhe von rund einem Meter über Schienenoberkante unter Wasser, welches nach dem Abfließen einen grausamen Schlammüberzug hinterließ. Beispielsweise waren alle Achsgetriebe voller Schlamm! Die Reinigung und technische Wiederherrichtung gelang der BSW Gruppe bzw. den Vereinsmitgliedern IG Bw Dresden-Altstadt e.V. bis Ende 2002. Seitdem waren glücklicherweise keine negativen Ereignisse mehr zu beklagen und die Lok erfreut sich auf zahlreichen Dresdner und auswärtigen Ausstellungen großer Beliebtheit bei Jung und Alt.

Quellen: Archiv IG Bw Dresden-Altstadt e.V.; Archiv Alfred Hobl; Jan Reiners „Die dicke Babelsbergerin“ (Transpress, Stuttgart 2011)

Text: Alfred Hobl und Dr. Christof Schröfl, Januar 2015